Vom Ernst des Spiels

Das vor fünf Jahren am Röka eingeführte Unterrichtsfach Darstellendes Spiel zieht eine vorläufige Bilanz. 

Momentaufnahmen aus der spielpraktischen Prüfung eines Kurses in 11/2 zum Thema: Figuren und Gruppen in Shakespeares "Ein Sommernachtstraum"
Momentaufnahmen aus der spielpraktischen Prüfung eines Kurses in 11/2 zum Thema: Figuren und Gruppen in Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“

Ort der Handlung: Aula des Schulgebäudes in der Bleichstraße

Personen: Kurs Darstellendes Spiel ; Kursleitung

Schüler/in 1: Müssen wir wirklich komplett in schwarzer Kleidung spielen?

Schüler/in 2: Hoffentlich kann ich meinen Monolog noch?

Schüler/in 3: Und das Publikum soll in der Nachbesprechung unsere Inszenierungsidee nachvollziehen?

Schüler/in 4:  Welche Kompositionsmethoden sollten wir eigentlich verwenden?

Schüler/in 5:  Wer übernimmt eigentlich die Musikeinspielungen für unsere Szene?

Schüler/in 6:  Und für den ganzen Kram kriegen wir dann auch noch eine Note?

Mit diesen oder ähnlichen Fragen sieht sich die Kursleitung im Fach Darstellendes Spiel glücklicherweise nur einmal pro Schulhalbjahr so massiv konfrontiert, wenn nämlich die spielpraktischen Prüfungen des Halbjahres abgelegt werden sollen. An dieser Szene lässt sich ermessen, dass das Fach DS in vielerlei Hinsicht etwas Besonderes darstellt.

Der Lehrplan formuliert etwas spröde die Bedeutung des Faches im Kanon der gymnasialen Bildung in folgender Form: „Das Fach Darstellendes Spiel gehört neben Kunst und Musik zu den Fächern, die eine ästhetisch-expressiven Modus der Weltbegegnung ermöglichen.“ Hier wird angedeutet, dass das Fach neben den kognitiven Fähigkeiten auch das emotionale Lernen zu Teamfähigkeit, Kreativität, Selbstwahrnehmung und Selbstdarstellung ermöglicht und fördert. In konsequenter Umsetzung des spielerischen Ansatzes wird hier praktisch und konstruktiv theaterästhetische Handlungskompetenz gefordert. Die Grundlagen der theatralen Darstellung werden von Anfang an in ihrer praktischen Verwendung kennengelernt und in ihrer Wirkung erprobt. Nach und nach werden die Ausdrucksträger erarbeitet. Ein begriffliches Gerüst von Fachbegriffen ergibt sich von selbst.

Ein Lerngang durch die Oberstufe verläuft in Orientierung am Lehrplan häufig in ähnlichem Muster: In der Jahrgangsstufe 11 werden die Grundlegen für erste Minidramen nach klassischer Dramaturgie mit einfachen Mitteln erarbeitet, häufig erfolgt die Impulsgebung durch äußere Einflüsse, zum Beispiel einen speziellen Ort als Inspirationsquelle, die Handlung wird in improvisatorischer Erarbeitungstechnik entwickelt. Gegen Ende dieser Jahrgangsstufe werden die Schüler in Figuren- und Rollenarbeit einer komplexen Bühnenfigur aus einer dramatischen oder literarischen Vorlage Leben einhauchen können.

In der 12. Jahrgangsstufe stehen meist theaterästhetische Rezeption, also die Besprechung einer aktuellen Inszenierung auf dem Plan. Oft organisiert sich der Kurs in der 12. Jahrgangsstufe zur Erarbeitung komplexer dramatischer Spielformen, die auch häufig in öffentlicher Aufführung präsentiert werden.

Neben Exkursen in die Theatergeschichte seit der Antike liegt ein Themenschwerpunkt der 13. Jahrgangsstufe im Bereich experimenteller Spielformen der Gegenwart, die erprobt und aufgeführt werden.

Seit fünf Jahren wird das Fach DS regelmäßig mit zwei Kursen pro Jahrgangsstufe in der Oberstufe angeboten und bildet so eine Ergänzung des Fächerkanons im musisch-künstlerischen Bereich. Dass neben lockerer spielerischer Gestaltung auch Leistungsnachweise zu erbringen sind, ist selbstverständlich, auch wenn diese mit den spielpraktischen Prüfungen einen anderen Charakter haben als in den meisten anderen Fächern. Dies zeigt sich auch in den diesjährigen Abiturprüfungen, die im mündlichen Bereich auch im Fach DS in konsequenter Verbindung von darstellerischer Praxis und theoretischer Reflexion durchgeführt wurden.

Schüler/in 1: Die schwarze Kleidung sah so klasse einheitlich aus!

Schüler/in 2: Ja, der Monolog saß!

Schüler/in 3: Die haben ja wirklich kapiert, was wir zeigen wollten!

Schüler/in 4:  Die Reihung und die Steigerung waren am besten!

Schüler/in 5:  Mit Musik ist die Wirkung einfach viel krasser!

Schüler/in 6:  Was soll bei der Note denn jetzt noch schiefgehen!!

Diese Fortsetzung der oben begonnen Szene macht deutlich, dass nicht nur Hektik und Lampenfieber vor einer Präsentation, sondern auch Erleichterung, Genugtuung und Selbstbewusstsein durch eine gelungene Aufführung – mit entsprechendem Applaus belohnt – als feste Bestandteile des Faches anzutreffen sind. Auch hierbei ist DS also etwas Besonderes.

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