I. LateinlehrerInnen, Lehrwerk und Unterricht

Die Fachschaft Latein besteht zur Zeit aus drei Lehrkräften, welche die SchülerInnen auf ihrem Weg zum Latinum mit Rat und Tat begleiten. Aktuell werden die Lehrwerke CAMPUS und LUMINA (bei Latein als 2. Fremdsprache) sowie das Lehrwerk LATINUM (bei Latein als 3. Fremdsprache) verwendet. Zum Unterricht zählen wir freilich auch Projekte wie „Römisch Kochen“ und diverse Exkursionen nach Mainz, Trier, Bad Kreuznach u.a.

II. Latein ist tot, es lebe Latein!

Diese Worte zitieren nicht nur das herrlich erfrischende Werk Wilfried Strohs, sondern verweisen auch auf eine wichtige Tatsache der Sprachgeschichte! Jede Sprache entwickelt sich im Laufe der Zeit weiter. Wer würde denn noch die althochdeutschen Merseburger Zaubersprüche verstehen? Die deutsche Sprache hat sich in den wenigen hundert Jahren dramatisch verändert! Goethe hätte wohl nichts verstanden, wenn man ihn darauf hingewiesen hätte, dass man sich in praktisch jeder City am besten mit einer Navi App auf dem Handy zurecht finden kann.

Auch Latein hat sich verändert, weiterentwickelt. Doch weil das Imperium Romanum so groß war und man viele verschiedene Dialekte sprach, entwickelte sich Latein auf unterschiedliche Weise. Die heutigen Sprachen Spanisch, Italienisch, Französisch, Rumänisch, Portugiesisch sind im Grunde alle „modernes, regional gefärbtes Latein“. Latein ist also keineswegs tot, nur up-to-date.

III. 3 Gründe für Latein

1. In immer mehr Berufen wird eine hohe Kommunikationskompetenz erwartet. Je globaler die Welt, desto mehr wird kommuniziert. Da Latein über die Grammatik erschlossen wird und nicht etwa über das Sprechen, erwerben die SchülerInnen ein umfassendes Verständnis von den Mechanismen einer Sprache. Stellen wir uns für einen Moment Kommunikationskompetenz als Auto vor. Wer eine moderne Fremdsprache beherrscht, kann dieses Auto fahren. LateinschülerInnen aber können den Aufbau des Wagens bis ins kleinste Detail nachvollziehen und notfalls auch einmal einen Ölwechsel vornehmen. Zugegeben: Das Fach Latein rüstet nicht für den nächsten Frankreichurlaub, doch es rüstet für alle zukünftigen kommunikativen Herausforderungen einer globalen Welt.

2. Da Latein die gemeinsame Mutter aller romanischen Sprachen ist, kann ein guter Lateinschüler in wenigen Tagen jede beliebige romanische Sprache auf „Touristen-Niveau“ erlernen. Hierbei helfen ihm die ähnliche Grammatik, aber freilich auch die sehr ähnlichen Vokabeln. Wer bereits zwei bis drei Lernjahre Latein hat, muss also gar nicht auf den Italien- oder Spanienurlaub verzichten!

3. The world speaks English! Englisch ist die weltweit am meisten gesprochene Sprache. Etwa ein Viertel der Weltbevölkerung spricht mindestens ein wenig Englisch! Im Internet ist Englisch die am meisten geschriebene Sprache. Wer später studiert, kommt an englischen Fachtexten in der Regel nicht vorbei. Da etwas über 60% aller englischer Wörter direkt oder indirekt aus dem Lateinischen stammen, kann ein guter Lateinschüler dank seines Wortschatzes sogar solche englischen Wörter verstehen (und rasch anwenden), die er noch nie zuvor gelesen oder gehört hat.

IV. Ist Latein ein „schweres Fach“?

Versuchen wir, die Frage so wenig subjektiv wie möglich zu beantworten. Was macht eine Sprache schwer? Gewöhnlich ist es die Aussprache, die Lernvokabeln und die Grammatik. Nicht immer sind es alle Punkte gleichzeitig, die das Erlernen einer Sprache erschweren. Im Deutschen tragen die Verben bzw. ihre Klammerstellung in einigen Tempora zur großen Verwirrung bei Ausländern bei. Im Finnischen gibt es nur einen relativ überschaubaren Wortschatz, dafür 15 Fälle.

Und das Lateinische? Was ist die Geheimwaffe der Römer? Nun, die Aussprache ist es nicht. Bis auf wenige Ausnahmen (c wie k, ae wie ai) wird es so gesprochen wie Cicero es schreibt. Auch das Vokabular ist geringer als das des Französischen und weitaus geringer als der immense Wortschatz des Englischen. Die Grammatik ist dank ihrer von vielen „logisch“ genannten Regelmäßigkeit im Gegensatz zu einigen modernen Fremdsprachen mit ihren vielen Ausnahmen gut zu bewältigen.

Moment: Gilt Latein nicht immer wieder als letzte Rache der Römer an jungen, wehrlosen Germanen? Leider ist es häufig so, dass sich viele für Latein entscheiden, um der französischen Aussprache zu entgehen (die gar nicht so anstrengend ist!). Wieder andere, die Latein im Grunde interessant finden, entscheiden sich aus vermeintlich praktischen Gründen für eine andere Sprache, die sie dann jedoch im Urlaub nie wirklich anwenden und die sie schlicht längerfristig nicht glücklich macht.

Daher gilt: Jede Sprache – nicht nur Latein – sollte vorwiegend aus Interesse gewählt werden. Interesse schlägt Begabung! Selbst ein eher naturwissenschaftlich begabtes Kind kann im Fach Latein brillieren, wenn das Interesse da ist. Die Erfahrung zeigt: Latein ist ein sehr angenehmes Fach für all jene, die sich wirklich für die Sprache und die Geschichte der Römer interessieren. Es ist hingegen ein schweres Fach für solche, die damit nur einer modernen Fremdsprache aus dem Weg gehen wollten.

V. Und wo ist der Mehrwert?

Einmal davon abgesehen, dass Latein und die römische Kultur den gemeinsamen europäischen und nordafrikanischen Kulturhintergrund bilden: Welchen Mehrwert bringt es, sich in die Gedankenwelt eines Caesars, Ciceros oder Ovids einzulesen? Lassen wir hier doch am besten den römischen Philosophen Lucius Annaeus Seneca antworten:
„Ich glaube, dass sich diejenigen Leute mit sinnvollen Bemühungen aufhalten, die sich Menschen wie Zenon, Pythagoras, Demokrit, Aristoteles, Theophrast und andere Vorsteher guter Künste als Freunde wählen möchten. Jeder von diesen wird für dich Zeit haben, jeder wird seinen Gast glücklicher und zufriedener wieder wegschicken. Niemand von ihnen wird es zulassen, dass man mit leeren Händen von ihnen geht. Sie können Tag und Nacht von allen Menschen besucht werden. Niemand von ihnen raubt dir deine Lebensjahre, sondern gibt dir seine dazu. Die Worte eines niemanden von ihnen werden dich in Gefahr bringen, keine Freundschaft wird dich den Kopf oder Geld kosten. Du nimmst von ihnen mit, was du willst. An ihnen wird es nicht liegen, wenn du nicht aus den Vollen schöpfst!“ – L.A. Seneca

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